Cursillo – was sonst !?
Ich wurde gebeten, einen kleinen Erfahrungsbericht über meine Teilnahme beim diesjährigen „Cursillo“ im Kloster Nütschau zu verfassen.
Auch wenn es eine große Aufgabe ist, aus all den Eindrücken eine Essenz herauszuarbeiten, die auf eine knappe Seite passt, so will ich es doch einmal versuchen.
Schon allein die Umstände, die mich zur Teilnahme an diesem Kurs gebracht haben, waren wie von größerer Hand geführt.
Kurzfristig freigewordene Zeit und der Impuls mal nachzuschauen, ob in Nütschau noch freie Kapazitäten – eigentlich für eine Schweigezeit, die ich dort seit zwei Jahren in Eigenregie gestalte – wären haben mich einen Blick auf die Veranstaltungen werfen lassen. Vielleicht ist hier ja zufällig was Geeignetes dabei?
Und da stand dann der kleine Glaubenskurs „Cursillo“. Im Netz war nicht viel darüber zu finden, außer der Hinweis, dass man ihn eigentlich nicht wirklich beschreiben kann, sondern erfahren müsste.
Okay – ein Herz gefasst – Gott das Versprechen gegeben, dass wenn es noch einen Platz gäbe, ich da auch hingehe – am nächsten Tag angerufen…und siehe da also eigentlich voll aber ich dürfe da noch mit reinrutschen. Fügung?
Also machte ich mich mit einer Mischung aus Neugier und Unsicherheit im „Herzensgepäck“ auf den Weg, hinein ins Abenteuer.
Die am ersten Abend empfohlene Einladung, sich auf die Elemente des Kurses einzulassen, auch wenn vielleicht einiges als befremdlich angesehen wird, habe ich zunächst mit einem „Ich muss gar nichts“ quittiert – und da hatte mich Gott schon am Haken.
Dass sich das „Ich fahre mal hin und lerne vielleicht etwas“ Vorhaben so anders entwickeln würde, habe ich zu dem Zeitpunkt noch nicht geahnt.
Meine anfänglichen Bedenken, dass ich als eher charismatischer Vertreter einer Freikirche ein Exot sein und bleiben werde, währten nur kurz. Innerhalb kürzester Zeit wurden aus einem Rudel zusammengewürfelter Persönlichkeiten eine wunderbar erfrischende Gemeinschaft. Der gegenseitige Respekt und die Anteilnahme hat mich sehr beeindruckt.
Das Programm war straff, aber die Impulse waren spannend und berührend zugleich.
Allen Menschen im Vorbereitungsteam sei an dieser Stelle noch einmal ganz herzlichen Dank gesagt. Ihr habt den Mut gehabt, in den Impulsen auch immer ein Stück Eures Herzens zu zeigen. So gab es Kopf- und Seelenfutter.
Unterstützt durch die Anleitung und die Anregungen wurde mir eine Tür zu einem Raum geöffnet, in dem der Heilige Geist noch einmal tief und deutlich in ein Lebensthema von mir hereingesprochen hat. Die Begegnung mit ihm ist nicht immer kuschelig, aber heilsam.
Am letzten Tag war es sehr schwierig, den Weg wieder zurück nach Hause anzutreten, denn die Menschen mit denen ich ein kleines, aber wichtiges Stück Weg gehen durfte, waren und sind mir innerhalb der kurzen Zeit ans Herz gewachsen.
Aber den geneigten Leser dieses Artikels wird bestimmt interessieren, mit welchem Gepäck der kleine rebellische Freikirchler wieder nach Hause gefahren ist….
Es war eine spannende, herausfordernde und überaus segensreiche Zeit. Und es stimmt – den Cursillo kann man nicht beschreiben, er ist wie eine Landebahn für den Heiligen Geist, der für und in jedem Herzen und jeder Seele hervorbringt, was gerade dran ist.
Und am Ende bleibt die Erkenntnis:
We are family ! – Ein Geist, ein himmlischer Vater, ein Erlöser, viele wunderbar unterschiedliche Menschen, die durch die Liebe und Gnade Gottes miteinander verbunden sind. Unabhängig von Denomination, Herkunft, Glaubensstil.
Ein Lied, das mir dort wieder in den Sinn kam, bringt es gut auf den Punkt:
Jesus will uns bau´n zu einem Tempel,
als Wohnung für den Heil´gen Gott
Dieses Haus des Herrn ist die Gemeinde.
Die Wahrheit und der Säule Grund
Wie Edelsteine schön geformt in seiner Gnade durch das Wort.
Wenn wir uns lieben und vertrauen – Halleluja
– dann wächst der Tempel mehr und mehr
(aus dem englischen Original von Jan Traynar, 1977)
Mirijam Carstensen, 25.10.2025

